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Psychedelische Substanzen sind seit Jahrzehnten Projektionsflächen für Hoffnungen auf Heilung, Erkenntnis und gesellschaftliche Transformation. Sie versprechen Zugang zu verborgenen Wahrheiten, die Auflösung des Ego oder einen Blick auf mögliche Zukünfte. Doch mit diesen Versprechen gehen auch dunklere Dimensionen einher: Erlösungsphantasien können in Heilsgewissheiten kippen, individuelle Erfahrungen in kollektive Ideologien überführt werden und aus der Suche nach Transzendenz können neue Abhängigkeiten und Machtstrukturen entstehen. Das Podium untersucht diese Schattenseiten der psychedelischen Renaissance anhand dreier Spannungsfelder: spirituelle Selbstüberhöhung und charismatische Macht, die Aneignung psychedelischer Erfahrungen durch rechte Milieus sowie ihre Verbindung mit Transhumanismus, Selbstoptimierung und den Zukunftsvisionen der Tech-Eliten.Esoterik, Ego-Tod und planetare Heilung – Gurus und Ego-Inflation In spirituellen und esoterischen Strömungen werden LSD, Psilocybin oder DMT häufig nicht primär als Drogen, sondern als sakrale Medien verstanden: als Werkzeuge der Erkenntnis, Heilung und persönlichen oder planetaren Transformation. Die Erfahrung des «Ego-Todes», der Auflösung des Selbst oder der Verschmelzung mit einem kosmischen Ganzen wird dabei oftmals in Erlösungsnarrative eingebettet. Erlösung erscheint als Bewusstseinswandel – als Erwachen aus einer vermeintlich entfremdeten Moderne. Gerade solche Erfahrungen können jedoch auch neue Autoritätsansprüche begründen. Einzelne deuten ihre Visionen als privilegierten Zugang zu einer höheren Wahrheit und stilisieren sich zu Lehrer- oder Gurufiguren. Anhängerinnen und Anhänger unterwerfen sich ihrer Deutungshoheit in der Hoffnung auf Heilung oder Transformation. So kann das Versprechen, das Ego zu überwinden, paradoxerweise in Selbstüberhöhung, charismatische Macht und neue Abhängigkeiten umschlagen.
Rechte Szene, esoterischer Neonazismus und Akzelerationismus Psychedelische Erfahrungen führen nicht zwangsläufig zu egalitären, friedlichen oder progressiven Weltbildern. Historisch wie gegenwärtig wurden und werden sie auch von rechten, reaktionären und autoritären Milieus angeeignet. Dort erscheinen Psychedelika ebenfalls als Mittel der Offenbarung – allerdings eingebettet in Vorstellungen von Hierarchie, kultureller Reinigung, Wiedergeburt oder einem vermeintlich ursprünglichen Bewusstsein. Sie können als Initiationsmittel, als Zugang zu angeblich archaischen oder «nordischen» Identitäten oder als Instrument visionärer Selbstvergewisserung interpretiert werden. Digitale Subkulturen verbinden solche Motive teilweise mit Akzelerationismus und dem Wunsch, bestehende gesellschaftliche und demokratische Ordnungen zu überwinden. Die psychedelische Erfahrung wird damit nicht zur Befreiung von Ideologie, sondern zu ihrer emotionalen und spirituellen Aufladung.
Tech-Bros, Thiel & Co. – technologischer Utopismus und Transhumanismus In techno-utopischen und transhumanistischen Visionen verbinden sich Psychedelika mit Vorstellungen radikaler Selbstoptimierung und einer technologischen Überschreitung des Menschlichen. Das Bewusstsein erscheint als formbares Medium, das erweitert, programmiert oder eines Tages vom biologischen Körper gelöst werden könnte. Versprochen werden Langlebigkeit, Unsterblichkeit, digitale Fortexistenz oder eine posthumane Zukunft. In Teilen dieser Szene treffen technologischer Utopismus und unternehmerischer Elitarismus auf eine ausgeprägte Skepsis gegenüber staatlichen und demokratischen Institutionen. Das alte religiöse Versprechen einer besseren Welt verschiebt sich damit in den Raum von Ingenieurwesen, Kapital und Daten. Nicht mehr eine gesellschaftliche Bewegung, sondern visionäre Unternehmer und Technologieunternehmen sollen die Menschheit retten – oder bestimmen, in welche Richtung sie sich weiterentwickelt.
Das Gespräch fragt, was psychedelische Erfahrungen tatsächlich über die Welt aussagen, wer ihre Bedeutung festlegt und warum das Versprechen von Befreiung immer wieder in neue Formen von Autorität, Ideologie und Abhängigkeit münden kann.
Die Referent:innen
**Christopher Coenen** ist Politikwissenschaftler und leitet am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse des Karlsruher Instituts für Technologie die Forschungsgruppe «Leben, Innovation, Gesundheit und Technologie». Er beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen, politischen und ethischen Folgen neuer Technologien. Zu seinen Schwerpunkten zählen Human Enhancement, die Geschichte des Transhumanismus, technologische Zukunftsvisionen sowie das Verhältnis von Technik, Ideologie und Macht.
**Prof. Dr. Nicolas Langlitz** ist Professor für Anthropologie an der New School in New York und Gründer des dortigen Psychedelic Humanities Lab. Der ausgebildete Mediziner, Philosoph und Medizinanthropologe erforscht die Geschichte und Gegenwart der Psychedelikaforschung sowie das Verhältnis von Wissenschaft, Kultur, Moral und Politik. Er ist Autor des Buches «Neuropsychedelia» und des viel beachteten Essays «Rightist Psychedelia», in dem er zeigt, dass psychedelische Erfahrungen keineswegs zwangsläufig zu progressiven oder egalitären Überzeugungen führen.
**Dr. Sarah Pohl** ist Diplom-Pädagogin, systemische Paar- und Familienberaterin sowie Heilpraktikerin für Psychotherapie. Sie leitet die vom Kultusministerium Baden-Württemberg geförderte Zentrale Beratungsstelle für Weltanschauungsfragen ZEBRA/BW. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind toxische Spiritualität, problematische religiöse und weltanschauliche Gemeinschaften, aussergewöhnliche Erfahrungen und spirituelle Krisen. 2025 veröffentlichte sie gemeinsam mit Bianca Liebrand den Ratgeber «Plötzlich fremd – im Sog toxischer Spiritualität».
Christopher Coenen
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Nicolas Langlitz
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Sarah Pohl
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Tickets:
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Weitere Informationen:
https://substanzen-festival.ch/programm/schattenseiten-psychedelika-erloesungsphantasien
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Event venue
Photobastei, Sihlquai 125, 8005 Zürich, Schweiz, Zurich, Switzerland
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