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Fri Oct 16 2026 at 06:00 pm to 08:00 pm UTC+02:00

Foyerkonzert: Hugo Wolfs „Italienisches Liederbuch“

  • Rheinfelshalle · Koblenz
Sankt Goar International Music Festival and Academy Publisher / Host Sankt Goar International Music Festival and Academy
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Foyerkonzert: Hugo Wolfs \u201eItalienisches Liederbuch\u201c
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Zwei Männer, 46 Lieder und die ganze Unberechenbarkeit der Liebe
Hugo Wolfs „Italienisches Liederbuch“ erstmals für zwei Männerstimmen
Hugo Wolfs Italienisches Liederbuch kennt man als musikalischen Dialog zwischen Frau und Mann. Traditionell werden die 46 Lieder des berühmten Zyklus entsprechend auf eine Frauen- und eine Männerstimme verteilt. Beim Foyerkonzert der Internationalen Musikakademie Sankt Goar am Freitag, 16. Oktober 2026, um 18 Uhr ist das Werk nun in einer eigens geschaffenen Einrichtung für zwei Männerstimmen zu erleben. Philipp Nicklaus, Tenor, und Falko Hönisch, Bariton, übernehmen sämtliche Lieder und lassen aus Wolfs Miniaturen die Geschichte einer Liebe zwischen zwei Männern entstehen. André Dolabella begleitet am Klavier – und wird im Verlauf des Abends selbst Teil des Geschehens.
Damit verändert die neue Einrichtung nicht Wolfs Musik, wohl aber den Blick auf ein vermeintlich vertrautes Werk. Was traditionell als Wechselrede zwischen den Geschlechtern erscheint, wird zur Begegnung zweier Männer. Liebe, Begehren, Eifersucht, Stolz, Streit und Verlustangst bleiben dieselben – und erscheinen zugleich in einem überraschend neuen Licht. Gerade darin liegt der Reiz des Abends: Wolfs Lieder müssen nicht umgeschrieben werden, um eine andere Geschichte erzählen zu können.
Zwei Männer begegnen einander. Der eine tritt dem anderen in „Ihr seid der Allerschönste“ unmittelbar und ohne Vorbehalt entgegen. Der andere antwortet vorsichtiget. Es wächst das Interesse aneinander und es entsteht jene eigene Wirklichkeit, die Verliebte kennen: Nacht, Mondlicht und die Erinnerung an den anderen werden plötzlich wichtiger als die Welt ringsum.
Doch von Anfang an liegt neben der Nähe auch die Möglichkeit ihres Verlustes. Die Außenwelt mischt sich ein, eine Reise droht, die Familie erhebt Einwände. Was eben noch selbstverständlich schien, wird fragil. Und allmählich beginnen die beiden, aneinander vorbeizureden. Was der eine als Liebesbeweis versteht, erlebt der andere als Zumutung.
So entwickelt sich aus Wolfs kurzen Liedern eine Beziehungsgeschichte mit erstaunlicher psychologischer Genauigkeit. Auf Annäherung folgen Missverständnisse, auf Verletzung Trotz und Ironie. Auf einmal werden Lieder zu Stationen eines Streits, in dem beide noch aufeinander bezogen sind, aber immer seltener dieselbe Sprache sprechen und die verletzte Leidenschaft erreicht schließlich ihren grotesken Höhepunkt.
Die eigens für diesen Abend entwickelte Reihenfolge macht aus den einzelnen Miniaturen einen dramatischen Bogen. Dabei wird die Liebe zwischen den beiden Männern weder erklärt noch zum besonderen „Thema“ erklärt. Sie ist schlicht der Ausgangspunkt der Geschichte. Gerade dadurch zeigt die ungewöhnliche Besetzung, wie universell Wolfs musikalische Beobachtungen geblieben sind: Das Schwanken zwischen Hingabe und Selbstbehauptung, zwischen dem Wunsch nach Nähe und der Angst vor Verletzung braucht keine festgelegte Geschlechterkonstellation.
Wo zuvor kaum noch ein Ausweg denkbar schien, folgt kein märchenhafter Neuanfang, sondern eine vorsichtige Wiederannäherung zweier Menschen, die ihre gemeinsame Geschichte mitbringen.
Nach großen Gefühlen, Ansprüchen und Verletzungen richtet sich der Blick auf das Kleine und Alltägliche – auf jene unscheinbaren Dinge, aus denen Nähe vielleicht dauerhafter entsteht als aus großen Beteuerungen.
Und dann kommt ein Dritter ins Spiel. Der Pianist, bis dahin der scheinbar Unbeteiligter, wird plötzlich von den beiden Sängern wahrgenommen und in den folgenden Liedern machen ihn die beiden zum Gegenstand von Neckereien und kleinen Eifersüchteleien. Ein Liebesdreieck entsteht daraus gerade nicht. Der schweigende Pianist wird vielmehr zur Projektionsfläche für das Spiel des Paares – und für einen humorvollen Perspektivwechsel innerhalb des Abends.
Am Ende werden die Töne ruhiger, sprechen spricht von Wachstum und Wiederkehr, erinnern daran, wie eng Liebe und Verlust miteinander verbunden bleiben. Für einen Moment scheint sogar eine Vereinigung jenseits aller vorausgegangenen Konflikte möglich.
Doch die Geschichte endet nicht im Jenseits und nicht mit einer vollkommenen Auflösung ihrer Widersprüche. Das letzte Lied führt die beiden zurück in die Gegenwart: zu einem Menschen, der dem anderen gegenübersitzt. Sie haben einander weder vollständig verstanden noch vollständig verloren. Sie sind noch da. Vielleicht ist gerade das die verlässlichste Form von Liebe, die diese Lieder kennen.
Für diese außergewöhnliche Neudeutung stehen mit Philipp Nicklaus und Falko Hönisch zwei international erfahrene Sänger auf der Bühne.
Tenor Philipp Nicklaus studierte Gesang sowie Schulmusik mit den Schwerpunkten Orgel und Dirigieren an der Musikhochschule Stuttgart. Sein Repertoire reicht von Bachs Passionen und Oratorien über Klassik und Romantik und die großen Liedzyklen Schuberts und Schumanns bis zur zeitgenössischen Musik. Er konzertierte unter anderem mit dem Gewandhausorchester Leipzig, den Stuttgarter Philharmonikern und dem Staatsorchester Stuttgart; Engagements führten ihn unter anderem an die Staatsoper Stuttgart, die Semperoper Dresden und die Oper Leipzig.
Bariton Falko Hönisch wurde bei zahlreichen internationalen Gesangswettbewerben, darunter dem ARD-Musikwettbewerb, ausgezeichnet. Gastspiele führten ihn an Opernhäuser und auf bedeutende Konzertpodien im In- und Ausland, darunter das Concertgebouw Amsterdam, die Philharmonien Berlin und München sowie die Salle Pleyel in Paris. Sein Lied-, Konzert- und Opernrepertoire reicht von Bach, Haydn und Mendelssohn bis zur zeitgenössischen Musik.
Am Klavier ist André Dolabella zu erleben. Der 1983 in Belo Horizonte geborene Pianist studierte bei Fany Solter an der Musikhochschule Karlsruhe und schloss Diplom und Master mit Höchstnote ab. Der mehrfach ausgezeichnete Musiker und Stipendiat des Richard-Wagner-Verbandes Karlsruhe widmet sich neben solistischen Auftritten besonders der Kammermusik und Liedbegleitung. Konzertreisen führten ihn durch Brasilien und zahlreiche europäische Länder.
Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Um Anmeldung wird gebeten unter [email protected] oder 0173 5728995.
Das Erreichen der Fähre auf die andere Rheinseite nach der Veranstaltung ist gewährleistet.
Der Veranstaltungsort ist barrierefrei erreichbar.
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Rheinfelshalle, Heerstraße 139, 56329 Sankt Goar, Deutschland, Koblenz, Germany

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