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Die Heiterkeit I Arena Wien

  • Baumgasse 80, A-1030 Vienna, Austria · Wien
ARENA WIEN Publisher / Host ARENA WIEN
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Die Heiterkeit I Arena Wien
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“Ob Wir Noch Zu Retten Sind” Tour 2027
Die Welt ist untergegangen. Es geschah gegen Mitternacht, die meisten Menschen haben geschlafen. Stella Sommer hat den Vorfall glücklicherweise beobachtet und mit „Ob wir noch zu retten sind“ ein neues Album von Die Heiterkeit darüber geschrieben.
Wobei die Frage, ob wir noch zu retten sind, natürlich schon eine gewisse Anmaßung enthält. Wer sollte dieses anstrengende Anliegen übernehmen. Und warum? Die Menschheit hat sich in den vergangenen Jahren nicht gerade als besonders kooperativer Rettungsfall erwiesen. Die Welt ist zunehmend unübersichtlich geworden, und auch im Inneren des einzelnen Menschen sieht es nicht unbedingt ordentlicher aus. „Erst wenn man sich selbst gefunden hat / Ist man ganz verloren“, singt Stella Sommer. Andere Menschen verkaufen solche Selbsterkenntnisse teuer in mehrtägigen Seminaren. Sommer braucht dafür zwei Zeilen und hat daraus gleich eine künstlerische Maxime gemacht. Denn wer beim Musikmachen immer nur bei sich selbst landet, ist schließlich nicht besonders weit gekommen.
Bei „Ob wir noch zu retten sind“ handelt es sich um zwei eigenständige, in sich geschlossene Alben, die zusammen ein größeres Ganzes ergeben. Die ersten neun Lieder bilden das erste Album und stehen stärker in der Tradition des klassischen Folksongs. Die Songs der zweiten Platte spannen den Bogen weiter, zu orchestraleren Arrangements und klassischem 60er-Jahre-Pop. Beide Albumteile wurden weitgehend live aufgenommen, einschließlich des Gesangs. Das klingt vermeintlich unkompliziert, gehört jedoch in Wahrheit zu den anspruchsvolleren Disziplinen des Musikmachens. Die verblüffende Präzision und Leichtigkeit, mit der Die Heiterkeit dieses Album eingespielt hat, lässt eher an ein Folktrio aus dem Greenwich Village der 60er Jahre denken als an eine Berliner Band von 2026.
Die Entstehung von „Ob wir noch zu retten sind“ reicht zurück bis zu den Arbeiten am Vorgängeralbum, das im März 2025 erschien: Schon damals teilte Stella Sommer ihre Lieder auf. Die Stücke, die sich stärker am Great American Songbook orientierten, wurden „Schwarze Magie“, die Songs, die aus der Tradition des klassischen Folk hervorgingen, bildeten die Grundlage für „Ob wir noch zu retten sind“. Mit „Schwarze Magie“ nahm Sommer das neue Magie-Fieber vorweg. Mit „Ob wir noch zu retten sind“ trifft sie nun punktgenau die Frage, die sich die Gegenwart selbst am dringendsten stellt. Auf den 18 neuen Liedern macht Stella Sommer das Verlorengehen zur Kunstform. Und zwar in allen verfügbaren Größenordnungen: Man kann sich in sich selbst verlieren, in einem anderen Menschen, in einer Stadt, in der Zeit oder gleich in absolut biblischem Ausmaß.
Dass sie für ihre Kunst gleich zwei Alben braucht, überrascht nur Menschen, die sich noch an gewöhnlichen Maßstäben künstlerischer Produktivität orientieren. In weniger als zwei Jahren hat Stella Sommer 31 neue Heiterkeit-Songs herausgebracht, und auf keinen davon würde man verzichten wollen. In einer besser sortierten Welt hätte man ihr dafür längst Denkmäler errichtet und Sonderbriefmarken herausgegeben. Andere Musiker, die ihre Kreativität umsichtig verwalten, brauchen Jahre, um sich von einem Album zu erholen. Stella Sommer braucht offenbar vor allem Platz für das nächste.
Ein guter Song braucht keine aufwendige Architektur aus übereinander geschichteten Spuren, um aufrecht zu stehen. Bob Dylan hat einmal geschrieben: „A song is anything that can walk by itself“ – ein Song ist alles, was auf eigenen Beinen gehen kann. Sommers Songs beherrschen diese fast in Vergessenheit geratene Kunst. Man kann ihnen die Verzierungen abnehmen, die Instrumentierung auf das Nötigste reduzieren, sie allein mit einer Gitarre in einen Raum stellen, und sie verlieren nichts von ihrer Größe.
Je mehr künstliche Intelligenz Klänge erzeugt, glättet und stumpf berechenbar macht, desto selbstbewusster behauptet dieses Album eine andere Vorstellung von Musik. Hier wird nichts dem Zufall überlassen, aber auch nicht alles der Perfektion geopfert. Allem KI-Gebimmel zum Trotz ist es doch so: Die Welt lässt sich nicht kontrollieren. Stella Sommer hat daraus nicht nur eine poetische Erkenntnis gewonnen, sondern gleich eine Produktionsentscheidung gemacht: Dass man Musik anhören muss, dass sie von Menschen gemacht wird.
Auch ihre Sprache widersetzt sich der Berechenbarkeit. Stella Sommer besaß schon immer eine besondere Begabung dafür, die großen menschlichen Verunsicherungen mit wenigen, scheinbar mühelos hingestellten Worten auf den Punkt zu bringen. Auf „Ob wir noch zu retten sind“ treibt sie diese Kunst noch weiter. „Es liegt in der Luft“ ist eine fiebrige Bestandsaufnahme der Gegenwart und eine wilde Inventur der Bedrohungen, die von allen Seiten kommen: Das Unheil sitzt in den Bäumen, tropft von der Decke, stolpert auf der Treppe und hängt schief am Firmament.
Eine Endzeitpredigt ohne Kanzel, fünf Minuten Größenwahn in Bestform, Ein Song, der die ganze Welt mitsamt ihren Ausreden und den letzten halbwegs funktionierenden Orientierungshilfen komplett verschlingen will. Und der sich benimmt, als wäre er das letzte Lied, das jemals geschrieben wird.
Wer Stella Sommer für eine düstere Gestalt hält, bekommt auf diesem Album endlich recht. In „Alles, was du über mich gehört hast, ist wahr“ steigt sie als langfingriges Wesen mit fünf Köpfen und ausgesprochen bedenklicher Einstellung zum Kindeswohl von einem Turm herab. Sämtliche gruseligen Gerüchte über sie bestätigen sich mit schauriger Endgültigkeit: Stella Sommer ist nicht die Frau, die im finsteren Wald vor den Ungeheuern warnt. Sie ist diejenige, vor der die Ungeheuer ihre Kinder warnen.
„Ob wir noch zu retten sind“ verweigert sich der beruhigenden Vorstellung, dass am Ende alles gut werden müsse. Aber es verweigert sich ebenso entschieden dem umgekehrten Reflex, die Hoffnungslosigkeit für eine besonders erwachsene Form der Welterkenntnis zu halten. Das ist die Größe dieser Lieder: Sie schenken dem lädierten, verlorenen Menschen ihre Aufmerksamkeit, ohne ihm Besserung in Aussicht stellen zu müssen. Stella Sommer schreibt keine Lieder darüber, wie man in der Welt zurechtkommt. Sie schreibt Lieder, nach denen die Welt erst einmal mit sich selbst zurechtkommen muss.
Anja Rützel
http://dieheiterkeit.de/
Vorverkauf € 25 (+ € 2,50 Fee)�
Abendkassa tba.
Veranstaltungsort:
Arena Wien - Kleine Halle
Baumgasse 80
1030 Wien
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Baumgasse 80, A-1030 Vienna, Austria, Baumgasse 80, 1030 Wien, Österreich, Wien, Austria

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