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Ästhetik pur, wunderbare Bilder unterstricken mit Musik, „Before, Now & Then“ erzählt in traumartigen Bildern von einem Frauenschicksal. Im Hintergrund fließt die gewaltvolle Geschichte Indonesiens.
DER FILM
„Before, Now & Then“. Regie: Kamila Andini. Mit Happy Salma, Laura Basuki u.a. Indonesien 2022, 103 Min.
Die Schatten eines früheren Lebens, die Erinnerungen an ihre eigentliche Liebe sind Teil des Verdrusses, der verhindert, dass Nana selbst als vierfache Mutter und nach fünfzehn Jahren der Ehe mit einem wohlhabenden Sudanesen Frieden finden kann. In ihrer Gegenwart, der das Hauptaugenmerk des Filmes gilt, hat sie die Heirat mit dem Unternehmer vor der Armut bewahrt, sie trägt die Verantwortung für den Haushalt und zunehmend auch für seine Geschäfte.
Die für ihr eigenes Leben obliegt ihr aber nach wie vor nicht. Mäandrierend wie das Wasser, das Nana sein möchte, folgt ihr „Before, Now & Then“ in ihre Melancholie darüber, und nähert sich dem enigmatischen Seelenleben seiner schweigsamen Protagonistin vor allem über atmosphärische Aufnahmen ihres Alltags an. Dieser bewegt sich zwischen erdrückenden Begegnungen in den elitäreren Zirkeln ihres Standes und der zunehmenden Konfrontation mit Zeichen für die Untreue ihres Gatten.
Mal ist es ein fremder Schal, den sie auf ihrem Schminktisch entdeckt, mal persönlich entgegengenommene parfümierte Briefe und schließlich Fleischsendungen, welche die in einer Metzgerei tätige Ino (Laura Basuki) als dessen jüngere und sozial niedriger gestellte Geliebte ihres Mannes zu erkennen geben. Entgegen gängiger Erzählmuster und anfänglicher Aversionen kommt es zwischen Nana und Ino allerdings nicht zur weiblichen Rivalität.
Stattdessen entsteht eine innige Frauenfreundschaft, geprägt von kleinen Ausbrüchen und vertrauten Gesprächen, über die erstmals tiefere Einblicke in die Gefühlswelt von Nana gegeben werden. Als sich Nanas Vergangenheit schließlich erneut Bahn bricht, ist es ausgerechnet die eigenwillige Frau an ihrer Seite, die zu einer Art Katalysator für ihre Selbstbefreiung aus der Kasteiung wird.
Erzählung einer allmählichen Emanzipation
„Before, Now & Then“ ist so nicht nur eine stimmungsvoll-brütende Studie eines passiven Frauenschicksals vor den gewaltvollen Wirren der indonesischen Geschichte. Denn sie rahmt als Subtext fortlaufend das Geschehen, etwa über Radiobeiträge, die vom antikommunistischen Putsch und der Machtergreifung des despotischen Generals Suharto berichten.
Kamila Andinis eindringliches Drama erweist sich letztlich auch als eine ausgesprochen bedächtige Erzählung einer allmählichen Emanzipation: Nana wird am Ende wirklich Wasser sein. Das passt sich seinem Wesen nach an. Und mit genug Zeit ist es selbst im Stande, Strukturen zu durchbrechen.
Vor dem Hintergrund dieser leisen Handlung ist es der einsamen Schönheit der Einstellungen, dem ätherischen Score von Ricky Lionardi und dem anmutigen Schauspiel der einnehmenden Hauptdarstellerin Salma zu verdanken, dass „Before, Now & Then“ schließlich eine phantastische Opulenz entfaltet, die ihren Nachhall findet.
TAZ
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