Die antiutopische Schule: Bildungswende von unten

Tue Jul 01 2025 at 07:00 pm to 09:30 pm UTC+02:00

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Die antiutopische Schule: Bildungswende von unten
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Die Unzufriedenheit mit den Schulen in unserem Land ist groß. Wir müssten aber nicht auf die große Reform warten, damit sich etwas ändert.
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Die Unzufriedenheit mit den Schulen in unserem Land ist groß. Ob man die Erwachsenen befragt (wie im ifo-Schulbarometer) oder die Schüler/innen selbst (wie im Schulbarometer der Robert-Bosch-Stiftung), gute Noten gibt es von keiner Seite. Und die Schule selbst? Eine Schulleiterin stellt fest: „Die lebensfernen Strukturen der Schule führen bei einer zunehmenden Zahl von Kindern und Jugendlichen zu Schulangst, Schulvermeidung, Depressionen oder aber zu Überanpassung mit Spätfolgen.“ In ihrem Buch „Lebendige Schule“ bemängelt die Autorin Regine Köhler, Gründerin und Leiterin der Herder-Schule Pielenhofen bei Regensburg, aber nicht nur, „dass in der Schule immer noch für die Schule gelernt wird, statt für das Leben, und dass SchülerInnen auf schulische Wissensformate ohne Mehrwert für das Leben geradezu abgerichtet werden“. Sie zeigt auch, wie es anders geht.

Das Verblüffende an Regine Köhlers Vorschlägen ist, dass sie nicht am Schulsystem selbst ansetzt – da also, wo nahezu alle Kritiker und Reformer stets den Hebel anzusetzen versuchen. Für Köhler braucht es „keine Schulsystemveränderung, sondern eine Änderung der Haltung der Akteure in Schule und Familie“. Die Bildungswende, so Köhler, müsse also „von unten“ kommen.

Es sei sogar schädlich, wenn wir versuchen, in der Schule Probleme der Gesellschaft zu lösen, und damit überzogene Ansprüche an das Schulsystem stellen. Stattdessen müssten wir „uns die utopischen Überfrachtungen der Schule abgewöhnen: In der Schule wird nicht der neue Mensch gebildet, die Schule kann nicht Arbeitskräfte für die Wirtschaft liefern, in der Schule wird es nie vollkommene Gleichheit und Bildungsgerechtigkeit geben, Schule kann nicht immer Spaß und Freude bereiten, Schule ist auch mit unangenehmen Gefühlen verbunden (für SchülerInnen und Lehrkräfte), da man seine Individualität in eine Gruppe einordnen muss, Schule kann nie vollkommen ‚kindgerecht‘ sein, da Kinder sehr verschieden sind und unterschiedliche Bedürfnisse haben. Die Liste der utopischen Forderungen und Hoffnungen im Zusammenhang mit Schule ließe sich noch lange fortsetzen.“ Deshalb fordert Köhler eine „antiutopische“ Sicht auf die Schule.

Diese Schule würde ein „lebendiger Ort der Begegnung und der Welterschließung“ sein. In ihr sollte es weniger darum gehen, Leistungsforderungen zu stellen, sondern es sollten vor allem Selbstwirksamkeitserlebnisse ermöglicht werden. In ihrer eigenen Schule steht Erfahrungslernen im Mittelpunkt, d.h. die Eigenaktivität der Schülerinnen und Schüler ist zentral für den Unterrichtsprozess. Regine Köhler berichtet, wie ein Schüler, der aus einer staatlichen Schule in die Herder-Schule wechselte, das einmal so formuliert hat: „In normalen Schulen arbeiten die Lehrer mit dem Stoff, an der Herder-Schule arbeiten die Lehrer mit den Schülern.“

Dass dies ein anderes Verständnis der Rolle einer Lehrkraft voraussetzt, dürfte klar sein. Für die Lehrkräfte an der Herder-Schule gehören deshalb Supervision, Selbstreflexion der Rolle als Lehrkraft und Erzieher/in in Selbsterfahrungsgruppen sowie fallbezogene Teamgespräche zum Alltag. Aber auch schulorganisatorisch macht die Herder-Schule einiges anders, z.B. hat man

  • die didaktische „Dreischritt-Methode“ zentral im Unterrichtsgeschehen verankert
  • die Fächer Kunst und Gestaltung als Hauptfach angeboten
  • den Doppelstundentakt eingeführt, um mehr Ruhe und Gelassenheit in den Schulalltag zu bringen
  • die Klassenfahrten konsequent als von den Schülern selbstbestimmtes und selbstorganisiertes „Projekt Herausforderung“ etabliert
  • Ethik als „Metafach“ eingerichtet
  • dem Schulgarten zentrale Bedeutung gegeben
  • externe Partner für eine größere Erfahrungs- und Themenvielfalt im Ganztagsbetrieb gewonnen.

Die Herder-Schule lebt vor, wie Unterricht eine lebendige Beziehung zwischen Lehrkräften und Schülern sein kann, und sie widerlegt die Hypothese, „dass nur Druck und ständige Überprüfungen Leistungen stimulieren“ könnten. Warum zieht das Konzept, das hier erfolgreich praktiziert wird, nicht schon längste größere Kreise?

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