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Regie: Michael Armstrong; Jan Soldat; Christoph Schlingensief Am 23. November 2025 ist der Schauspieler Udo Kier im Alter von 81 Jahren gestorben. Er war Schauspieler, Lebemann, queere Ikone und vieles mehr. Wir alle haben ganz sicher unsere ganz individuellen Erinnerungen an den Mann mit den ozeanblauen Augen. In meine Hornhaut hat sich eine Szene aus Lars von Triers Fernsehserie „Hospital der Geister“ von 1994 eingebrannt. Dort kommt Kier während einer bluttriefenden Geburtsszene als dämonisches Baby auf die Welt.
Durch weit über 250 Filmrollen wurde er zu eine weltweiten Ikone des Genrekinos. Kier verkörperte in seinen Rollen eine unvergleichliche Radikalität, Tiefe und totale Hingabe, ohne Rücksicht auf Konventionen.
In unserer „Kier-Royale“-Hommage zeigen wir eine kleine Auswahl an Kurzfilmen von Christoph Schlingensief, Armstrong’s Exploitationfilmklassiker „Mark of the Devil“ (dt. Titel: „Hexen bis aufs Blut gequält“) und den 8 minütigen Kurzfilm „Staging Death“ von Jan Soldat.
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„Hexen bis aufs Blut gequält“ (Internat. Titel: „Mark of the Devil“), Regie: Michael Armstrong (BRD 1970, 97 Min., 35mm)
„Hexen bis aufs Blut gequält“ ist ein kontroverser Exploitationfilm mit deutlicher Kritik an der historischen Hexenverfolgung. Er ist vor allem für seine schockierenden Darstellungen von Gewalt bekannt und stand lange Jahre auf dem Index. Erst 2017 wurde die Indizierung aufgehoben und ist mit „Keine Jugendfreigabe“ neu bewertet worden.
Der Film spielt im 18. Jahrhundert in einem fiktiven deutschen Fürstentum. Im Mittelpunkt steht der junge Hexenjäger Christian (Udo Kier). Er ist der Assistent und Schüler des fanatischen Hexenrichters Lord Cumberland. Zu Beginn folgt er dessen brutalen Methoden, doch im Verlauf des Films gerät er in einen inneren Konflikt: Er erkennt zunehmend die Grausamkeit und Ungerechtigkeit der Hexenprozesse. Schließlich wendet er sich gegen seinen Mentor und unterstützt den Richter Albino, der die Folter und Willkür beenden will.
Die Rolle machte Udo Kier international bekannt und begründete seinen Ruf als markanten Darsteller in kontroversen und extremen Filmen.
„Wir raten ab.“ epd-film
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"Staging Death", Regie: Jan Soldat (AT/D 2022, 8 Min., digital)
Udo Kier stirbt sich durch die Filmgeschichte. Er schreit, fällt, liegt, wird zerhackt, erschossen oder nimmt sich selbst das Leben. Immer wieder sein leerer Blick, immer wieder sein starrer Körper. In 54 Jahren Schauspielkarriere spielte Udo Kier in mehr als 170 Langspielfilmen, 120 Serienepisoden und 50 Kurzfilmen. Über 70 mal versuchte Udo Kier sich daran dem Sterben und dem Tod einen Ausdruck zu geben. In "Staging Death" fügen sich diese Todesdarstellungen zu einer Montage von unterschiedlichsten Einstellungsgrößen, Filmformaten, Spezialeffekten und Sounddesigns. Europäisches Autorenkino, Hollywood-Blockbuster, Independent-Trash, Kunstinstallation, Fernsehfilm, Werbespot, Musikvideo und Kinderserie: im Gesamtwerk von Udo Kier wird alles eins. In diesem Sinne bewegt sich auch "Staging Death" zwischen Dokument, Essay, Found Footage, Supercut und Youtubeclip. (Produktionsnotiz, Jan Soldat)
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"Tod eines Weltstars. Portrait Udo Kier", Regie: Christoph Schlingensief (D 1992, 45 Min., DCP)
Mit Udo Kier, Alfred Edel, Susanne Bredehöft, Brigitte Kausch-Kuhlbrodt, Dietrich Kuhlbrodt u.a.
Als Moderator von Kultur Extra interviewt Christoph Schlingensief im Auftrag des WDR Udo Kier - eine schonungslos, freche Persiflage auf alle Homestories und gleichzeitig liebevolle Hommage an einen guten Freund. Dazwischen Ausschnitte einer Homestory, in der Alfred Edel unmittelbar aus dem Leben des scheidenden Weltstars berichtet.
"Tod eines Weltstars" zeigt große Momente, gewaltige Momente, die letzten Stunden Udo Kiers, „der sich im Kreise seiner Familie immer am wohlsten fühlte“. Brigitte Kausch, Dietrich Kuhlbrodt, Susanne Bredehöft und die Baronin Berswordt-Wallrabe geben eine wunderbare Film-Familie ab – so persönlich wie noch nie vor der Kamera! Daneben – so lebendig wie schon lange nicht mehr – Fassbinder und Andy Warhol, mit denen Kier zusammenarbeitete und einige seiner wichtigsten Filme realisierte.
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"Die Schlacht der Idioten", Regie: Christoph Schlingensief (BRD 1986, 21 Min., DCP)
Mit Udo Kier, Alfred Edel, Anastasia Kudelka u.a.
Musik: Helge Schneider
In einem deutschen Filminstitut laufen die letzen Minuten des berühmten Stummfilms „Königin der Quelle“. Königin Quelly soll den Alkoholiker Guff heiraten, obwohl sie das gar nicht will. Nach der Vorstellung beschließen die Darsteller_innen die Flucht – erst von der Leinwand und dann aus dem Kino. Der Film setzt sich außerhalb des Kinosaals fort; alle wollen Quelly für sich haben. Die Königin wird Quelle von Auseinandersetzungen zwischen den gegnerischen Teams.
In "Die Schlacht der Idioten" sind Alfed Edel und Udo Kier erstmals vor Schlingensiefs virtuoser Handkamera zu sehen! Zumeist auf Knien rutschend unter der Wüstensonne.
(Textverantwortlich: JU, KE)
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